Impressionen vom Markt der Möglichkeiten

Freitag, 1. November 2019: Im neuen Studierendenhaus am Universitätsplatz 10 tummeln sich viele Studenten, die gerade aus ihren Seminaren gekommen sind. Es ist Markt der Möglichkeiten und die Hochschulinitiativen präsentieren ihre Angebote. Wir haben uns für euch an den Ständen umgesehen und präsentieren euch die Aussteller in einer Fotogalerie. Viel Spaß beim Durchklicken!

Die Eröffnung des Studierendenhauses steht bevor

Das Studierendenhaus von vorn. In der Mitte sieht man den Eingangsbereich. (Fotos: Paul Bröker)

Am 1. November wird das neue Studierendenhaus eröffnet. Wir haben uns für euch schon mal in dem fertiggestellten Bau umgesehen und schildern die Eindrücke der neuen Bewohner.

Alica Reuter kriegt sich mit den Lobeshymnen über das neue Studierendenhaus gar nicht mehr ein: Es sei „100 Pro“ eine Verbesserung, total gelungen und biete wesentlich mehr Platz. Alica ist Mitglied beim Autonomen SchwuLesBiTrans*Queer+ Referat und hat soeben mit Referentin Anne Koch und ihrer Mitstreiterin Clara Coldewey den neuen Sitz des Referats im zweiten Stock des Studierendenhauses bezogen. Die Regale sind schon voller Bücher und man könnte meinen, dass das Referat schon bereit sei für die ersten Besucher.

Referentin Anne Koch (l.) zusammen mit Alica Reuter und Clara Coldewey vom Autonomen SchwuLeBiTrans*Queer+ Referat an der Uni Kassel in ihrem neuen Raum im Studierendenhaus.
Referentin Anne Koch (l.) zusammen mit Alica Reuter und Clara Coldewey vom Autonomen SchwuLesBiTrans*Queer+ Referat an der Uni Kassel in ihrem neuen Raum im Studierendenhaus.
In den anderen Räumen stapeln sich noch die Umzugskartons und warten darauf, ausgepackt zu werden.
In den anderen Räumen stapeln sich noch die Umzugskartons und warten darauf, ausgepackt zu werden.

In den Räumen, in denen die anderen autonomen Referate und die Referate des AStAs ihren Sitz haben werden, stapeln sich noch die Umzugskartons und warten darauf, ausgepackt zu werden. Aber auch hier ist die Verbesserung der Raumsituation deutlich zu sehen. Alle Referate hätten nun bessere und meist auch größere Räume, so Alica. „Und sie sind so schön hell!“ Die drei jungen Frauen vom Autonomen SchwuLesBiTrans*Queer+ Referat freuen sich insbesondere darüber, dass ihr Raum nun endlich auch für anonyme Beratungen geeignet ist. Im bisherigen Sitz in der Nora-Platiel-Straße konnten Passanten den Hilfesuchenden beim Betreten des Referats noch zusehen.

Die große Glasfront der Eingangshalle zeigt zum ASL-Neubau.
Die große Glasfront der Eingangshalle zeigt zum ASL-Neubau.
Auf der ersten Ebene finden sich die Referate des AStAs.
Auf der ersten Ebene finden sich die Referate des AStAs.

Referentin Anne Koch hebt hervor, dass bei dem Umbau des Gebäudes am Universitätsplatz 10 der Charme von Altem und Neuem kombiniert wurde. Sie hält das Gebäude sogar für besser gelungen als das Campus Center an der Moritzstraße. Über dieses Kompliment freut sich sicherlich auch Architekt Carsten Peters vom Büro Kreter Peters Lubenow, der in den vergangenen Jahren für den Umbau des Gebäudes zuständig war. Im Herbst 2016 bekam sein Büro den Auftrag, die Vorentwürfe, die aus einem Wettbewerb unter Architektur-Studierenden hervorgegangen waren, weiterzuentwickeln. Im Herbst 2017 begannen dann die Abbruchsarbeiten an den ehemaligen Kopfbauten, wo früher von der Firma Gottschalk LKW-Planen und Zelte imprägniert wurden, weshalb auch eine aufwändige Altlastensanierung erforderlich war. Im Frühjahr 2018 konnte schließlich mit den Rohbauarbeiten begonnen werden. Die reine Bauphase betrug damit circa anderthalb Jahre.

Architekt Carsten Peters begleitete die Umbauarbeiten am neuen Studierendenhaus.
Architekt Carsten Peters begleitete die Umbauarbeiten am neuen Studierendenhaus.

Architekt Peters ist glücklich darüber, dass das Gebäude nicht durch einen Neubau ersetzt wurde. Zwar sei die Sanierung nicht unbedingt günstiger gewesen als ein kompletter Neubau, doch habe man ein Gebäude erhalten, das die Nutzungsspuren der Vergangenheit zeige und somit nicht glatt und austauschbar sei. Zudem sei das Gebäude ein Zeugnis des Industriestandorts in der Nordstadt, auf dessen Grund nun 25.000 junge Leute studieren. Beim Bau der Universität Kassel in den frühen 1980er-Jahren seien viele erhaltenswerte Gebäude zerstört worden. Dass die Kopfbauten erhalten bleiben, sei ein Signal.

Trotz des industriellen Charakters, der den alten Backstein mit modernen Elementen aus Stahl und Beton verbindet, ist das Studierendenhaus ein Modellprojekt für energetische Sanierung. So wurde in Teilbereichen eine Innendämmung vorgenommen und die CDW-Stiftung finanzierte eine Photovoltaik-Anlage für das Dach, deren Erträge für Energieeffizienzmaßnahmen reinvestiert werden müssen.

Das neue Kulturzentrum "Färberei" befindet sich im Keller des neuen Studierendenhauses.
Das neue Kulturzentrum “Färberei” befindet sich im Keller des neuen Studierendenhauses.
Aus dem zweiten Stock des Studierendenhauses hat man eine wunderbare Aussicht auf den Campus am Holländischen Platz.
Aus dem zweiten Stock des Studierendenhauses hat man eine wunderbare Aussicht auf den Campus am Holländischen Platz.

Im Keller des Studierendenhauses befindet sich jetzt das Kulturzentrum „Färberei“. Dort finden 300 bis 400 Leute Platz. Bei der Besichtigung wurde noch an der Theke gewerkelt, aber rechtzeitig zur Einweihungsparty am 1. November 2019 sollte alles bereit sein.

Wollt ihr euch selbst einen Eindruck vom neuen Studierendenhaus verschaffen? Dann kommt am 1. November 2019 zwischen 13 Uhr und 16 Uhr zum Markt der Möglichkeiten. Auch der Arbeitskreis Medien wird mit einem eigenen Stand vertreten sein und stellt die neueste Ausgabe des Magazins “Metzger*innen” vor.

Abschaum, Pöbel und mein persönlicher Neuanfang

Der Korridor zwischen den Hörsälen 1–3 und der Universitätsbibliothek der Uni Kassel am Holländischen Platz (Foto: Matthias Hauzel)
Der Korridor zwischen den Hörsälen 1–3 und der Universitätsbibliothek der Uni Kassel am Holländischen Platz (Foto: Matthias Hauzel)

Zwischen Erwartung und Realität fällt der Schatten … Warum man Schlachthöfe mit Kultur verbindet … Idylle in der Friedrich-Ebert-Straße … Verdict? …

Nun, wo zum Teufel fange ich in diesem Stück über meinen Studienstart an … die Erlebnisse meiner ersten beiden Wochen in Kassel summieren sich zu einer irisierenden Sammlung von Unhöflichkeiten, öffentlich zur Schau gestellter Obszönität, zwischenmenschlicher Inkompetenz, morgendlicher Trunkenheit und allen erdenklichen Lastern, die in jenen Seelen schlummern, welche man in die Nacht verbannt hat. In fünf aufeinanderfolgenden Nächten habe ich bedeutungsvoll über den Sinn meines Studiums nachgedacht, und all die böswilligen Gedanken aufgeschrieben, die sich tagsüber unabwendbar in meinem Kopf ansammelten. Alle halbe Stunde verspürte ich den tiefen Drang, einen Amphetaminbeutel hervorzuholen und ein Gramm vom Küchentisch in meine Nasenhöhle zu ziehen, sodass meine Augen nach einer Dosis bald einen Moment wie zusammengeschweißt durch die Küche schielten. Eine geballte Ladung Speed schafft jegliches rationale Zeitempfinden ab, was in schreibwütigen Nächten und vollgekritzelten Seiten resultiert. Das Wenigste davon eignet sich für Publikationen, aber es ist eine gute Übung für Schreiber, die keine Abneigung gegen Drogengebrauch haben. Jeder Schreiber auf dieser Welt kennt das Ringen mit dem eigenen Gewissen, wenn man aus seinem Umfeld berichtet. Das ist alles nur Geschwätz von einem dummen Speedjunkie, redete ich mir wieder und wieder ein und warf das halbgare Flickwerk in den 

Papiermüll. Was davon übriggeblieben ist, habe ich in diesem Bericht zusammengefasst. In den vergangenen vierzehn Tagen wurde ich von schlechtem Temperament jener Art besessen, das einen dazu verleitet, einen Landstreicher, der sich selbst den Richter nennt, als vertrauenswürdigsten Kontakt in der Stadt zu erachten. Aber zu all dem komme ich später zurück, denn eigentlich möchte ich ja einen Bericht über den Studienstart schreiben. 

In ein paar Worten: Es war ein einziges Trübsal, mit meinen Mitstudierenden über den Campus zu schlendern, während wir Gänseschritt spielten und unseren kompetenten Fachschaftskommilitonen ein Ohr liehen. Die Inkompetenzen, die uns ein pietätvolles und elegantes Miteinander verwehrten, gehen komplett auf mein Konto und stellvertretend auf das aller Erstis. Aber was soll man da schon sagen? Wir sind alle Frischfleisch für den elitären Club der Akademiker. Es ist keine Schande, dass am Morgen des siebten Oktobers etwa 100 neue Studenten der Geisteswissenschaften sich wie auf ihrer Einschulung verhielten. Ein Studienanfänger verwechselte mich während der Führung über den Campus fälschlicherweise mit seinem besten Freund, nachdem er sich mit meinem Feuerzeug eine Zigarette anzündete. Er bedankte sich überaus wohlwollend und ich sah ihm, ebenso wohlwollend, in die Augen, nahm ihn zur Seite und nuschelte ihm ins Ohr: „Hey, Klaus, richtig? Wie würdest du es finden, wenn wir uns am Wochenende treffen, und ich dich mit dem Richter bekannt mache? Er könnte dir leicht einen Job verschaffen, wenn du verstehst was ich meine.“ 

Augenblicklich schnellte er mir davon und seitdem habe ich ihn am Campus nicht mehr gesehen. 

Am 16. Oktober stand die Begrüßung an der Kunsthochschule auf meinem Plan. Mittwochmorgen wollte ich auf der Tramlinie 5 vom Hauptbahnhof runter in die Südstadt fahren. Ich war spät dran, und als ich den Bahnsteig entlangrannte, stolperte ich dem Richter über den Weg. In der Woche zuvor sabbelte er mich bei meiner Ankunft voll, als ich auf dem Bahnhofsvorplatz eine Zigarette rauchte. Er wollte mir Kokain verkaufen, und unterrichtete mich darüber, dass man investieren müsse. 

20 Euro für eine Bombe! 60 Euro das Gramm. Kauf ein Gramm, wickle drei Portionen in Klopapier und verkauf sie für 20 Euro. Das macht 40 Euro Gewinn! 

Sag deinen Freunden, der Richter sagt: Investiert euer Geld! 

Er sah so mitgenommen aus wie der letzte Rest Hirnmasse, der noch aus ihm sprach. Seine Zähne waren gelb und schief, sein Bart war zottelig, und sein Haar Straßenköterblond und ungewaschen. Aber ich wollte mich nicht mit ihm streiten und er stank auch nicht zum Himmel wie vergleichbare Exemplare. Also ließ ich ihn weiterreden. Eine dumme Entscheidung, weil er mich nach unserem zweiten Rendez-Vous erkannte und mich an mehreren Tagen durch die Stadt verfolgte. Bis zum Ende der zwei Wochen trieb er mich bis zur schieren Weißglut. Sogar von wüsten Beleidigungen und Drohgebärden meinerseits ließ er sich nicht verscheuchen. 

Vergangenen Samstag probierte ich ein paar Cafés an der Friedrich-Ebert-Straße aus. Ich lasse mich beim Schreiben gerne von der Geschäftigkeit im Gastronomiebetrieb betören. Auf diese Weise baue ich schnell die nötige Konzentration auf, die man braucht, um tiefe Ergründungen des Alltagslebens auszuformulieren, wie diese hier. Ich trank meinen dritten Kaffee, als der Richter meinen Tisch passierte und sich plötzlich umdrehte. Ungefragt setzte er sich zu mir an den Tisch und fing an zu schwafeln. Sein Tonfall war hastig und zittrig und seine abgehackten Gesten verrieten mir, dass er entweder auf Entzug oder bis unter den Deckel auf Sendung war. Ich konnte nicht anders, als mir vorzustellen, wie er in irgendeiner zwielichtigen Gasse in der Nordstadt seinen schmutzigen Geschäften nachging. 

„Hey Kumpel“, sagte ich. „siehst du nicht, dass ich arbeite?“ Er stoppte abrupt sein Palaver und schaute mich mit offenem Mund an. 

Wieder schauten seine schiefen Zähne heraus, und ungläubig fragte er mich: „Arbeiten? Wo bist du denn am Arbeiten? Du sitzt hier doch bloß rum und trinkst Kaffee!“ 

„Zieh Leine, du Sackgesicht, ich bin eine tragende Säule der Gesellschaft! Ich schreibe ernsthafte politische Essays, die Hinterweltler wie du nicht im Entferntesten tangieren. Scher dich zum Teufel!“ Dann rief er den Kellner zu uns. „Hey, du! Komm her! Wir wollen bestellen!“ 

Er bestellte zwei Espressi – in einem unflätigen Ton. „Okay Kollege, wir wollen zwei Espressi, aber Dalli!“, sagte er und fuchtelte mit seiner rechten Hand vor den Augen des Kellners herum. Der verschwand sichtbar genervt in den Innenbereich des Cafés. 

Er lachte. Er dachte wohl, ich mache Witze. Aber ich musste wieder an Klaus denken. Daran, dass wir ebenso gut eine tiefe, freundschaftliche Beziehung aufbauen hätten können, aber ich es stattdessen vorzog, ihn mit dieser schmutzigen Bemerkung zu vergraulen. Wahrscheinlich würde ich dann nicht mehr in diesem dämlichen Café sitzen, an der Seite des Richters, der im Begriff war unsere Heißgetränke mit zwei unreinen Kokainbomben zu vergiften. 

Es gibt noch viel mehr zu erzählen, über mein Debüt in Kassel, aber es ist einfach zu viel und dieser stupide Alptraum scheint gerade erst an Fahrt aufzunehmen. Bei Gelegenheit werde ich hier davon berichten, für heute soll’s das aber gewesen sein. 

Und ein weiteres Mal denke ich an Klaus, der sich im Verlauf seiner Ersti-Woche, wie so viele andere Studenten, im Alkoholrausch an sein neues Studentenleben akklimatisierte, welches ich hiermit stellvertretend schuldig sprechen möchte. 

Hinweis: Die Redaktion distanziert sich ausdrücklich vom Drogenkonsum des Autors. Solltest du selbst unter Drogenproblemen leiden, findest du Hilfsangebote auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Pro und Contra: Sollte das DGH Istha Walter Lübcke gewidmet werden?

Anfang Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident, Walter Lübcke, ermordet. Ein Rechtsextremer aus Kassel hat die Tat gestanden. In ganz Deutschland erfolgten deswegen Demonstration, Mahnwachen und andere Aktionen gegen Rechtsextremismus. Der folgende Beitrag nimmt eine dieser Aktionen, eine online Petition mit dem Ziel das Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in Wolfhagen-Istha, dem Wohn- und Todesort Lübckes, in das Walter-Lübcke-Haus umzubenennen, unter die Lupe. Unsere Autor_innen haben dazu jeweils einen Pro- und Contrabeitrag verfasst.

Pro: Ein Walter-Lübcke-Haus wäre ein wichtiges Zeichen gegen Rechtsextremismus
von Jan Sojakauer

Aus meiner Sicht lassen sich Menschen, die gegen die Umbenennung des DGH Istha diskutieren, in zwei Gruppen aufteilen: Die, dich mich traurig machen und die, die mich nachdenklich machen. Beide unterscheidet etwas fundamentales, nämlich der Grund ihrer ablehnenden Haltung:

Erstere stellen dabei in Frage, wieso Herrn Lübcke überhaupt ein Ort oder ein Gebäude gewidmet sein muss. Das sind meistens die, die sich in Gesprächen oder online negativ über den Ermordeten äußern, ihn „Sau“, „Arschloch“ oder schlimmeres nennen und partout nicht einsehen wollen, dass das, was Herr Lübcke gesagt hat, kein Angriff auf alle Deutschen, sondern das mutige Verteidigen demokratischer Werte gegenüber rechten Pöblern war. Wenn ich auf solche Menschen treffe, sei es in der Bahn oder in Facebookgruppen, dann weiß ich, dass meine Worte sofort abgeblockt werden, aber ich sage es trotzdem: Der Mord an Walter Lübcke war ein schreckliches Verbrechen und ja, er verdient auf jeden Fall einen eigenen Ort gewidmet zu bekommen. Einen Ort, der gleichzeitig an all die anderen tagtäglichen rechtsextremen Angriffe in Deutschland gemahnt, wie es hier in Kassel bereits der Halitplatz tut.

Ein Grund, wieso es dringend mehr öffentliche Präsenz gegen Rechts braucht: Rechte Schmierereien an der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen, Landkreis Kassel (links) und auf einem Wahlplakat zur Europawahl in Kassel (rechts) [Fotos: Jan Sojakauer (links) und Jasper Hillejan (rechts)].

Die, die mich nachdenklich machen, schaffen dass, in dem sie vorgeblich gute Einwände anbringen. So sehen sie einen Gedenkort für Herrn Lübcke gar nicht per se kritisch, finden nur eine Umbenennung des DGH Istha unangebracht. Dafür kann es viele Gründe geben: So ist Istha klein und in der Peripherie um Kassel gelegen. Die Widmung eines Ortes in Kassel wäre viel sinnvoller, da dieser in der Stadt viel mehr Beachtung erhalten würde. Zudem gibt es im Landkreis kein Dorfgemeinschaftszentrum, ja nicht mal eine Stadthalle, die einer Person gewidmet wäre. Das Projekt müsste also völlig neue Wege gehen. Und zu guter Letzt gibt es in Kassel ja schon eine mögliche Alternative: Die Karl-Branner-Brücke, die nach Walter Lübcke umbenannt werden könnte.

Auch wenn ich die Meinungen meiner Kommiliton_innen, die mir diese Punkte entgegenbrachten, sehr schätze, so meine ich hier doch einige Irrtümer zu sehen. Zunächst einmal ist die Größe des Dorfes, in dem sich der Gedenkort befindet, kein Hindernis. Ganz im Gegenteil erscheint mir das sogar als umso besseres Argument für das Walter-Lübcke-Haus. Denn Herr Lübcke lebte 160 m zu Fuß vom DGH entfernt und er starb auch ebenso weit von diesem. Das Gemeinschaftshaus ist das Zentrum des Dorfes, hier kommt bei Feiern, Versammlungen und ähnlichem eben die Gemeinschaft zusammen, zu der auch der Ermordete gehörte. Könnte es einem besseren Ort geben, um an ihn zu erinnern? Zudem ist auch aus praktischer Sicht das DGH wohl das einzige öffentliche Gebäude Isthas, das für eine Umbenennung in Frage käme.

Das Herz des Dorfes: Das DGH direkt neben dem Festplatz Isthas [Foto: Jan Sojakauer].

Ähnlich verhält es sich mit dem Einwand, dass im Landkreis kein anderes DGH einer Person gewidmet sei. Dies mag stimmen, aber ist das ein Verhinderungsgrund? Wäre es nicht der richtige und mutige Schritt, dass Istha mit dieser Tradition bricht, obwohl es Gegenwind geben könnte? Das Gebäude wird dabei schließlich nicht völlig verändert, es geht nur um einen rein symbolischen Akt. Ein symbolischer Akt von großer Wichtigkeit, der nicht nur das Dorf, sondern die ganze Region an die ständige Gefahr rechtsextremer Angriffe erinnert.

Der letzte Punkt, die mögliche Umbenennung der Karl-Branner-Brücke, bringt mich immer zum Lächeln. Nicht, weil ich es für abwegig halte. Das wäre auch idiotisch, schließlich ist eine Umbenennung der Brücke schon lange im Gespräch. Einzig der Namensvorschlag, Walter-Lübcke-Brücke, ist neu. Was mich belustigt, ist die Ausschließlichkeit, mit der einige das Thema zu betrachten scheinen. Entweder Haus oder Brücke. Ich frage mich hingegen: Wieso nicht beides? Dann gäbe es sowohl für das Dorf, an dem Herr Lübcke gelebt hat, als auch für die Stadt, in der er gewirkt hat einen Ort, der an ihn erinnert. Diese Lösung fände ich am schönsten und freue mich deswegen auch über die Petition, dafür ins Leben gerufen wurde.

Contra: Nicht jeder Beitrag ist allein dadurch gut, dass er gegen Rechtsextremismus gerichtet ist
von einer besorgten Bürgerin Legolands

Am 22.06. startete auf change.org eine Petition mit dem Ziel, dass DGH Istha zum Walter-Lübcke-Haus zu machen. Das beste Argument gegen diese ist dabei ihre Bedeutungslosigkeit. Schließlich werden die 55 Unterzeichner_innen (Stand 05.07. 12:00 Uhr), wohl kaum die adressierten Politiker_innen (u. a. der Bürgermeister Wolfhagens) überzeugen können ihr Vorhaben ernst zu nehmen. Es stellt sich also die Frage, wieso man sich überhaupt mit der Petition auseinandersetzen sollte. Bei näherer Betrachtung lässt sich diese aber wunderbar als Beispiel dafür heranziehen, wie fehlgeleitet auch gut gemeinte Beiträge gegen Rechtsextremismus sein können. Dies möchte ich in drei Schritten darlegen:

Erstens verletzt die Petition eine der wichtigsten Regeln des Gedenkens, nämlich die Rücksichtnahme auf die trauernde Familie des Verstorbenen. Diese braucht in jedem Fall Zeit und Raum um mit dem schrecklichen Ereignis umgehen zu können. Eine Unterschriftensammlung so kurz nach dem Mord ist unangebracht. Darüber hinaus gibt die Petition keinerlei Hinweise auf einen Kontakt mit der Familie Lübckes, auch scheint der Petitionsstarter nicht mit dieser verwandt (wenn er/sie denn seinen/ihren richtigen Namen auf change.org nutzt, was allerdings ein Problem von online Petitionen im Allgemeinen ist). Es liegt somit der Verdacht nahe, dass die Petition einen weiteren schweren Fehler macht: Jede Schaffung eines öffentlichen Erinnerungsortes sollte die Familie mit einbeziehen, wenn nicht sogar von ihr ausgehen. Es kann für die Hinterbliebenen enorm schmerzhaft sein, dass auf einmal in ihrem Ort ein öffentliches Gebäude nach ihrem Familienvater benannt werden soll, ohne dass sie ein Mitspracherecht hatten. Das Vorhaben erscheint damit bereits aus moralischer Sicht zweifelhaft.

Zweitens ist das Vorhaben ineffektiv und heuchlerisch. Istha ist ein kleiner Ort mit recht wenig Durchgangsverkehr, ein Walter-Lübcke-Haus würde also nur von den Ortsansässigen genutzt werden, denen die furchtbare Tat bestens vertraut ist. Nun könnte hier ein Argument des Petitionsstarters angebracht werden, nämlich das Istha Lebensmittelpunkt und Todesort Lübckes war, was es für einen Erinnerungsort besonders prädestiniert macht. Ein solches Argumentieren ist allerdings scheinheilig. Schließlich wurde Lübcke nicht im DGH, sondern vor seinem eigenen Haus ermordet. Ein adäquater Erinnerungsort in Istha (evtl. in Form eines Steines mit Plakette oder ähnlichem) wäre damit wohl eher dort zu verorten, als im Gemeinschaftshaus des Dorfes. Auch hier ist natürlich auf die Wünsche und Gedanken der Familie zu aller erst einzugehen.

Drittens gebt es bereits wesentlich bessere Pläne, wie ein geeigneter Ort nach dem Verstorbenen benannt werden kann. So berichtete die HNA bereits am 19.06. vom Vorhaben eines örtlichen Politikers, die Karl-Branner-Brücke nach Walter Lübcke umzubenennen. Damit würden zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen werden: Zum einen handelte es sich bei dem verstorbenen Kasseler OB Karl Branner um ein ehemaliges NSDAP-Mitglied, eine Umbenennung der Brücke ist deswegen schon länger im Gespräch. Zum anderen läge der Erinnerungsort an Lübcke somit in Kassel, der Heimat des Täters und einem Nährboden für eine wachsende Szene aus gewaltbereiten Rechtsradikalen. Eine Walter-Lübcke-Brücke wäre den Rechten ein Dorn im Auge – und allein deshalb schon mehr als wünschenswert.

Eine wesentlich bessere Alternative als das DGH Istha: Die Karl-Branner-Brücke zwischen Unterneustadt und Kasseler Innenstadt [Foto: Eine besorgte Bürgerin Legolands].

Abschließend lässt sich sagen, dass die Petition das DGH Istha umzubenennen, anstandslos gegenüber den Hinterbliebenen, heuchlerisch (in der Wahl des Ortes) und überdies, aufgrund einer besseren Alternative, unnötig ist. Auf solche Vorhaben kann deswegen in Zukunft gut und gerne verzichtet werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich noch andere, besser durchdachte, Beiträge gegen die beklemmende Ermordung Walter Lübckes und damit gegen Rechtsextremismus in diesem Land von mutigen Aktivist_innen in die Hand genommen werden.

Video-Interviews mit den Hochschulgruppen

Anlässlich der Hochschulwahlen hat unser Redakteur Jasper Hillejan mit den sich zur Wahl stellenden Hochschulgruppen Video-Interviews geführt. Viel Spaß beim Anschauen und auf dass die Videos euch die Wahlentscheidung erleichtern.

Jusos

Kooperative Witzenhausen

RCDS

Liberale Liste

Linke Liste (LiLi)

SDS

Grüne Hochschulgruppe

Die Hochschulwahlen 2019 stehen an

Werbung des AStA für die anstehenden Hochschulwahlen

Die Wahlen zum Senat, zu den Fachbereichsräten und zum Kunsthochschulrat sowie zum Studierendenparlament und den Fachschaftsräten stehen vor der Tür. Vom 25.06. bis 27.06.2019 kannst du deine Stimme an der Wahlurne abgeben. Du findest die Wahllokale an folgenden Standorten:

Wahllokal 1: Kassel, Campus Center, Moritzstraße 18, Foyer
Wahllokal 2: Kassel, Menzelstraße 13, Nordbau, vor der Mensa
Wahllokal 3: Kassel, Wilhelmshöher Allee 73, Eingangsbereich vor der Mensa
Wahllokal 4: Witzenhausen, Steinstraße 19, Zeichensaal
Wahllokal 5: Kassel, Heinrich – Plett- Straße 40, Raum 1404

Die Wahllokale sind an den Wahltagen jeweils von 9.30 Uhr bis 15.00 Uhr geöffnet.

Für mehr Infos zu den Hochschulwahlen haben wir eine Facebook-Seite eingerichtet: Wahlausgabe 2019 (Facebook-Link)

AfD scheitert vor Gericht gegen Studie von Kasseler Wissenschaftlern

Berlin/Kassel. Bereits im Juni 2017 veröffentlichte ein Team von Politikwissenschaftlern um den Professor Wolfang Schroeder von der Universität Kassel eine Studie mit dem Titel „Parlamentarische Praxis der AfD in deutschen Landesparlamenten“. Die Studie erregte deutschlandweit Aufmerksamkeit. Unter anderem berichteten die taz, die F.A.Z., die Welt und die Badische Zeitung über die Ergebnisse.

„AfD scheitert vor Gericht gegen Studie von Kasseler Wissenschaftlern“ weiterlesen

Die lange Nacht der letzten StuPa-Sitzung 2018

UniKassel  Um kurz vor halb drei am Donnerstag-Morgen endete die letzte Sitzung des Studierendenparlaments der Universität Kassel im Jahr 2019. Bis dahin waren noch 23 der insgesamt 25 ParlamentarierInnen anwesend, hinzu kamen zwölf Livestream-Zuschauer, mehrere AStA-Referenten und Mitarbeiter und ein Gast.

Insgesamt 24 Tagesordnungspunkte von unterschiedlicher Länge und Dauer  wurden im engen Raum 0223 der Kunsthochschule abgehandelt. Wir haben die Tagesordnungspunkte zusammengefasst: „Die lange Nacht der letzten StuPa-Sitzung 2018“ weiterlesen

StuPa: Zwischen interessanten Anträgen und einem fragwürdigen Demokratieverständnis

Es ist wieder Studierendenparlament und keiner merkt es. Woran dies liegt? Scheinbar haben weder die Hochschulgruppen noch die AStA-ReferentenInnen Interesse daran dies öffentlich zu machen und sich für ihre Arbeit vor einem größeren Publikum rechtfertigen zu müssen. Denn bis auf die Einladung auf der Website des AStA, wurde sich keine Mühe gemacht die Sitzung der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die StuPa-Facebook-Seite hat ihren letzten Eintrag am 11. Juli 2018. Seitdem haben mehrere Sitzungen stattgefunden. Der AStA hat bisher (Stand 17:20 Uhr) keine Ankündigung veröffentlicht. Und für den Live-Stream, der für eine angebliche Transparenz des StuPa sorgen soll, wurde auch schon lange nicht mehr geworben. „StuPa: Zwischen interessanten Anträgen und einem fragwürdigen Demokratieverständnis“ weiterlesen

Neu-Eröffnung des Restaurant Moritz an der Zentralmensa

Uni Kassel  Das Restaurant Moritz wurde nach über einem Jahr Umbaupause am heutigen 19.November 2018 wieder neu eröffnet. Zur Begrüßung gab es – neben dem neuen Buffet-Konzept – auch ein Glas Sekt und Häppchen, sowie akustische Musik von Leevke.

Das Studierendenwerk freute sich das neue Konzept vorstellen zu können. Künftig können Gäste während der Vorlesungszeit Montag bis Freitag zwischen 9:30 und 15:30 Uhr im Restaurant Moritz speisen, Getränke zu sich nehmen oder einfach relaxen. Im Eingangsbereich wurde dazu eine Lounge entwickelt, die zum Kaffee- oder Tee-Trinken einlädt. Im weiteren Verlauf erinnert das Restaurant Moritz an eine moderne Bar.  „Neu-Eröffnung des Restaurant Moritz an der Zentralmensa“ weiterlesen